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Popularität unter falscher Flagge

Tommaso Albinoni: XII Concerti a cinque Opus X Band 2: Concerti 7–12

Im Juni 1671 kam in Venedig der älteste Sohn des Spielkartenherstellers Antonio Albinoni zur Welt – unter den diversen in der Literatur zu findenden Geburtsdaten dürfte der 8. Juni das korrekte sein. Der Knabe namens Tommaso (auch die Schreibweise Tomaso findet sich) wurde ebenfalls Spielkartenhersteller, trat daneben aber auch als Violinist und als Komponist in Erscheinung und widmete sich letztlich in Gänze dem Musikerdasein. Erste Popularität in seiner Heimatstadt gewann er durch sein Opernschaffen, in musikhistorischer Hinsicht bedeutsamer wurde er aber als einer der Miterfinder des Solokonzerts in der Form, die im weiteren Verlauf des 18. Jahrhunderts und im gesamten 19. Jahrhundert einen äußerst markanten Teil des Musikschaffens bildete. Auch dieser Pioniercharakter wurde indes erst durch musikwissenschaftliche Arbeiten im 20. Jahrhundert klar herausgearbeitet, und zudem kam es zu dem Paradoxon, dass Albinonis heutige Popularität jenseits von Alte-Musik-Kreisen auf einem Werk beruht, das er gar nicht selbst geschrieben hat: Das sogenannte Adagio g-Moll, eine der heutzutage populärsten „klassischen“ Kompositionen überhaupt, stammt nicht wie weitreichend behauptet von ihm, sondern von seinem Biographen Remo Giazotto.
Auch wir in Altenburg, übrigens gleichfalls eine traditionsreiche Spielkartenstadt, können unser Scherflein zur Pflege des Werkes von Tommaso Albinoni beitragen: Der Musikwissenschaftler Reiner Kontressowitz hat die fünf Sammlungen Albinonis mit Solokonzerten (zumeist für Violine, aber es finden sich auch welche mit solistischem Einsatz der Oboe) in aktuellen, bei uns erschienenen Kritischen Ausgaben zugänglich gemacht.

 

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